Mit Robotern gegen den Personalmangel
Bei einem führenden Anbieter von Produkten und Lösungen für Sanitär, Heizungs- und Kühlungsanlagen in Landau in der Pfalz automatisieren Yaskawa Roboter Bearbeitungszentren samt angeschlossener Teilereinigungsanlage. Das Robotik-Vorzeigeprojekt ist die perfekte Lösung für unter Personalmangel leidende Unternehmen und bietet gleichzeitig eine Reihe weiterer Vorteile.Die Watts Industries Deutschland GmbH ist die deutsche Tochter des weltweit agierenden und in den Vereinigten Staaten gegründeten Unternehmens Watts Water Technologies, das 2022 weltweit mit mehr als 4.500 Beschäftigten einen Umsatz von rund zwei Milliarden US-Dollar machte. Mehr als 170 attraktive Arbeitsplätze befinden sich am Standort Landau in der Pfalz. Hier produziert das Unternehmen vorwiegend innovative Produkte für wasserführende Heizungs- und Klimaanlagen.
Hier produziert das Unternehmen vorwiegend
innovative Produkte für wasserführende Heizungs- und Klimaanlagen. Was auffällt beim Vor Ort-Besuch ist die hohe Fertigungstiefe. Entsprechend gut ausgestattet ist die Produktion.
Bearbeitungsmaschinen aller Art arbeiten hier
im Schichtbetrieb, darunter auch mehrere baugleiche Bearbeitungszentren von Alzmetall, die
die spangebende Bearbeitung unterschiedlich
langer Rohre übernehmen, die später als Verteilsysteme für Fußbodenheizungen dienen.
Über zehn Jahre lang war das Be- und Entladen dieser Bearbeitungszentren Aufgabe angelernter Mitarbeiter, die diesen Job in Mehrmaschinenbedienung ausführten. Warum das
Unternehmen dennoch dringend in die Automatisierung dieser Maschinen investieren musste,
bringt Andreas Becker, Industrial Engineer bei
Watts Industries, auf den Punkt: „Wir leiden hier
am Standort massiv unter Personalmangel. Um
den kontinuierlichen Betrieb der Maschinen im
Schichtbetrieb sicherzustellen, blieb nur die Investition in Roboter. Dieser Schritt eröffnete die
Möglichkeit, die frei werdenden Mitarbeiter an
den Maschinen für höherrangige Aufgaben zu
qualifizieren und sie von dem täglichen Kontakt mit Kühlschmierstoffen, den die Be- und Entladetätigkeit zwangsläufig mit sich bringt, zu entlasten.“
Doch das Vorhaben, die Maschinen sowie die
angeschlossene Teilereinigungsanlage zu automatisieren, ging mit großen Herausforderungen
einher. Heiko Röhrig, Vertriebsleiter der mit dem
Projekt beauftragten EGS Automation GmbH,
erinnert sich: „Die Automatisierung von Werkzeugmaschinen mit Yaskawa-Robotern ist für
uns Standard. Bei Watts sah die Sache aber anders aus. Hier bereitete uns nicht nur das stark
eingeschränkte Platzangebot in der Fertigung
Kopfzerbrechen, sondern auch die mit hohen
Toleranzen versehene Bereitstellung der Teile in
Werkstückträgerwagen.“
Bei diesen Wagen handelt es sich um Schweißkonstruktionen aus Blech, die, da nie für die Automation vorgesehen, größere fertigungstechnische Toleranzen aufweisen können. Auf einem
Wagen finden – übereinander gestapelt und
schräg gestellt – bis zu 15 Werkstückträger mit
bis zu 48 Teilen Platz. Die Wagen werden manuell an definierter Position an der Anlage aufgegeben und verriegelt.
Um die Toleranzen der Wagen für die präzise
Roboterhandhabung auszugleichen, hat sich
EGS Automation eine überzeugende Lösung einfallen lassen: So ist jeder Yaskawa-Sechsachser vom Typ Motoman GP50 mit einem
gegen Kühlschmierstoffe resistenten Sensor
am Greifwerkzeug ausgestattet, mit dem der
Roboter mehrere definierte Positionen anfährt
und daraus einen Korrekturfaktor für das aktuelle
Koordinatensystem ermittelt. Ist die tatsächliche
Stapelhöhe samt eventuell vorhandener Verkippung ermittelt, startet die eigentliche Challenge
für den Roboter.
Sobald sich die Türen des Bearbeitungszentrums
öffnen, zählt jede Sekunde. Der große Yaskawa-Sechsachser fährt zügig in den Arbeitsraum der
Maschine, entnimmt mit seinem Doppelgreifer
zwei der insgesamt vier bearbeiteten Rohre und
legt sie auf einer Zwischenablage ab. Dort holt
er sich zwei unbearbeitete Teile, legt sie in die
Maschine ein, entnimmt im gleichen Arbeitsgang das letzte bearbeitete Paar aus der Maschine und belädt sie mit dem zweiten unbearbeiteten Teilepaar. Raus us der Maschine geht´s
dann weiter mit der Bearbeitung von jeweils vier
Rohren in einer Aufspannung.
Erst nach erfolgter Be- und Entladung erschließt
sich, warum der Motoman GP50 mit einem weiteren Einzelgreifer ausgestattet ist. Dazu Heiko
Röhrig: „Die Rohre erreichen die Anlage in dicht
gepackten Kunststoffblistern, die die gleichzeitige Entnahme von zwei Rohren mit dem Doppelgreifer nicht zulassen. Da wir während der
Hauptzeit der Maschine ausreichend Zeit haben, lassen wir den GP50 die Rohre Teil für Teil
auf eine Zwischenablage in doppelgreifertauglichem Abstand vereinzeln. Von dort aus kann der
Sechsachser die Rohre paarweise handhaben,
was die Be- und Entladezeit an der Maschine
signifikant reduziert.“
Rohrrohlinge in verschiedenen Längen von
120 mm bis 750 mm, in zwei unterschiedlichen
Durchmessern sowie wahlweise in Messing
oder Edelstahl lassen die Variantenanzahl bereits heute auf über 50 steigen. „Um den großen Aufwand für das Teachen der zahlreichen
Varianten zu vermeiden, setzen wir auf ein rein
rechnerisch aufgebautes Programm. Hier gibt
der Bediener selbst für neu hinzukommende
Varianten nur bestimmte Parameter wie Rohrlänge, Bohrungsabstand etc. ein, und das Programm erledigt den Rest. Teachaufwand wird
somit komplett vermieden“, so Heiko Röhrig.
Zu den weiteren wesentlichen Zielen bei der Automatisierung zählen eine möglichst hohe Autonomie, kurze Rüstzeiten und maximale Flexibilität. Das Konzept der Anlage, bei dem von einem
Rohteil- in einen Fertigteilwagen gearbeitet wird
– den Wechsel der jeweiligen Werkstückträger
übernimmt der Motoman GP50 mit einer speziellen Funktion seines Doppelgreifers – lässt keine Wünsche offen: Die Flexibilität der Bearbeitungszentren in Kombination mit der Variabilität
der robotergestützten Automation ermöglicht
die Fertigung vieler Varianten und relativ kleiner
Losgrößen in beispielloser Wirtschaftlichkeit.
Bei der Entscheidung für den richtigen Roboter
hat sich Watts auf die Kompetenz des Anlagenbauers EGS Automation verlassen und dies nie
bereut, wie Andreas Becker versichert: „Der
Motoman GP50 von Yaskawa bietet genügend
Reserven hinsichtlich Traglast und Reichweite,
um auch für künftige Applikationen gerüstet zu
sein. Außerdem gewährleistet sein wasserdichtes Handgelenk hundertprozentige Ausfallsicherheit auch bei intensiver Beaufschlagung mit
Kühlschmierstoffen und: Die sechste Achse ist
so schlank gehalten, dass wir auch unter den
beengten Platzverhältnissen im Arbeitsraum der
Maschine bestens zurechtkommen.“
Ist ein Werkstückträgerwagen komplett mit bearbeiteten Teilen bestückt, entnimmt ihn ein
Bediener und transportiert ihn zur Teilereinigungsanlage, die mit Yaskawa-Vier- und -Sechsachsrobotern der Typen SG650 und Motoman
GP50 automatisiert ist. Um eine höhere Autonomie zu gewährleisten, stehen insgesamt drei
Wagenplätze zur Verfügung, wobei der Roboter
Zugriff auf zwei Plätze hat. Der dritte Platz dient
ausschließlich dem Bediener zum Wechseln der
Wagen. Diese Lösung gewährleistet einen unterbrechungsfreien Automatikbetrieb.
Bei der Durchlaufreinigungsanlage ist die
Schmutz- von der Sauberseite getrennt. Die Beladung mit den ungereinigten Rohren übernimmt
ein GP50, der sie auf einem Zuführband ablegt.
Nach absolviertem Bürst-, Entgrat- und Reinigungsdurchlauf verlassen die Teile die Anlage
auf der Sauberseite auf einer Förderstrecke.
Hier übernimmt ein schneller Yaskawa-Scara
SG650 die Handhabung der Teile. Mit höchster
Dynamik legt er die Rohre in eine Station ein, in
der sie über einen Lasersensor rotatorisch anhand der Bohrungen ausgerichtet werden.
Im letzten Arbeitsschritt greift ein weiterer GP50
die Rohre und legt sie für den Weitertransport
lageorientiert in Holzboxen ab. Um eine möglichst hohe Packungsdichte in den Boxen zu erreichen, hat EGS Automation einen Spezialgreifer entwickelt, der die Rohre nicht am Umfang,
sondern in ihren Radialbohrungen greift und sie
so dicht an dicht platzieren kann.
Die übergeordneten Ziele, die mit der Automatisierung einhergingen, darunter eine gewisse
Unabhängigkeit gegenüber dem Personalmangel, eine höhere Produktivität, eine verbesserte
Autarkie und nicht zuletzt die Schaffung eines
sauberen Arbeitsumfelds für die Beschäftigten
ohne Hautkontakt mit Kühlschmierstoffen ließen
sich in vollem Umfang realisieren.
Und noch etwas begeistert Andreas Becker:
„Das Projektmanagement von EGS Automation
erwies sich als überaus verlässlich. Zeit- und
Kostenkalkulationen wurden penibel eingehalten und das selbst unter erschwerten Bedingungen der Covid-Pandemie. Als ebenso zuverlässig erweisen sich die Yaskawa-Roboter, die bei
der Belegschaft schnell zu geschätzten Kollegen wurden, da sie sich sehr einfach bedienen
lassen und ungeliebte Aufgaben übernehmen.“
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